§ 60b GEG Pflicht: Heizungsprüfung aus der Kartei planen
· 8 Min. Lesezeit · Kristian Hoffmann
§ 60b GEG für SHK-Betriebe: welche Anlagen betroffen sind, welche Fristen nach Einbaujahr laufen und wie du 80 Prüfungen bis September 2027 verteilst.
Nach der Übersicht der dena betrifft die 60b GEG Pflicht Heizungsanlagen mit Wasser als Wärmeträger in Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder selbständigen Nutzungseinheiten. Sie sind nach 15 Betriebsjahren zu prüfen und zu optimieren, Anlagen mit Einbau vor dem 1. Oktober 2009 bis zum 30. September 2027 (dena-Übersicht zu §§ 60a–c, Wortlaut bei geg-info.de). Für deinen Betrieb heißt das: Die Frist hängt am Einbaudatum jeder einzelnen Anlage, nicht am Kalenderjahr.
Dieser Beitrag beschreibt die Regelung so, wie die verlinkten Quellen sie darstellen. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Den verbindlichen Wortlaut prüfst du vor jeder Kundenaussage selbst — zumal einige Anbieter inzwischen vom Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) statt vom GEG schreiben, etwa Green Fusion. Unter welchem Namen und mit welcher Nummerierung der Paragraph gerade gilt, gehört zu den Dingen, die du vor dem Anschreiben deiner Kunden klärst.
Welche Anlagen unter § 60b fallen
„Heizungsprüfung und Heizungsoptimierung" meint im Sinne des Paragraphen zwei Schritte: erst den Ist-Zustand der Anlage aufnehmen, dann die dabei gefundenen Einstellungen korrigieren. Wer davon betroffen ist, ergibt sich laut dena aus einer Handvoll Merkmale. Für die Kartei lassen sie sich als Filter lesen:
| Merkmal | Was du in der Kundendatei brauchst | Typische Lücke |
|---|---|---|
| Wärmeträger Wasser | Anlagentyp | selten ein Problem |
| mindestens sechs Wohnungen oder Nutzungseinheiten | Anzahl Einheiten im Gebäude | fehlt fast überall, bekannt ist nur die Adresse |
| Einbau oder Aufstellung | Datum der Inbetriebnahme | oft nur Baujahr des Hauses hinterlegt |
| keine Ausnahme | Wärmepumpe? Gebäudeautomation? | nicht erfasst |
Die zweite Zeile entscheidet über den Aufwand. Einfamilienhäuser und kleine Mehrparteienhäuser fallen nach dieser Lesart heraus. Der Verwalter eines Zwölf-Parteien-Hauses weiß die Zahl sofort — du musst ihn nur fragen.
Ausnahmen, die du markieren solltest
Wärmepumpen stehen in einem eigenen Paragraphen: Die dena ordnet ihre Betriebsprüfung § 60a zu, nicht § 60b. Eine zweite Ausnahme beschreibt Sprengnetter: § 60b Abs. 7 nimmt Heizungsanlagen mit standardisierter Gebäudeautomation aus. Wann eine Automation diese Anforderung erfüllt, steht im Wortlaut — das ist eine Frage für den Einzelfall, nicht für eine pauschale Markierung.
Der Sonderfall Etagenheizung
geg-info.de führt als eigenen Fall ein Mehrfamilienhaus mit acht separaten Etagenheizungen (Quelle). Ob acht Gasthermen im selben Haus unter die Sechs-Einheiten-Schwelle fallen oder nicht, ist genau die Frage, die Kunden dir stellen werden. Beantworte sie nicht aus dem Gedächtnis. Lies die Einordnung dort nach und notiere dir, was du deinen Kunden dazu sagst, damit alle Monteure dieselbe Antwort geben.
Fristen nach Einbaujahr: wer im Winter 2026 dran ist
Die dena-Übersicht nennt zwei Gruppen: Anlagen mit Einbau vor dem 1. Oktober 2009 haben eine feste Frist bis zum 30. September 2027. Für jüngere Anlagen gilt die Rechnung 15 Jahre ab Einbau plus ein Jahr für die Prüfung (dena). Daraus ergibt sich diese Tabelle — unsere eigene Rechnung, keine amtliche:
| Einbau / Aufstellung | 15 Jahre erreicht | Prüfung nach dieser Rechnung bis | Stand Ende 2026 |
|---|---|---|---|
| vor 01.10.2009 | — | 30.09.2027 (feste Frist) | offen, gut 9 Monate Rest |
| 10/2009 bis 09/2010 | 10/2024 bis 09/2025 | 10/2025 bis 09/2026 | abgelaufen |
| 10/2010 bis 12/2010 | 10/2025 bis 12/2025 | 10/2026 bis 12/2026 | läuft jetzt ab |
| 2011 | 2026 | im jeweiligen Monat 2027 | beginnt |
| 2012 | 2027 | im jeweiligen Monat 2028 | noch nicht fällig |
Die dritte Zeile ist die, die im November und Dezember zählt. Eine Anlage, die im November 2010 in Betrieb ging, hat nach dieser Rechnung ihr Fristende im November 2026. Das fällt mitten in die Heizperiode, in der du ohnehin Störungen fährst.
Warum 2027 doppelt voll wird
Bis zum 30. September 2027 laufen zwei Gruppen gleichzeitig: alle Altanlagen von vor Oktober 2009 und der Einbaujahrgang 2011, dessen Fristen sich über das ganze Jahr 2027 verteilen. Wer den Altbestand bis zum Sommer 2027 liegen lässt, hat im dritten Quartal beide Gruppen auf dem Tisch. Das ist die Lastspitze, die du jetzt noch abflachen kannst.
Das Datum 15.09.2024 in älteren Texten
Manche Beiträge nennen den 15. September 2024 als Frist, etwa ein Text von Haus & Grund Stormarn. Laut bode.ms haben § 60b und § 60c seit Oktober 2024 die frühere EnSimiMaV abgelöst, deren Heizungscheck an diesem Stichtag hing. Wenn ein Kunde dir dieses Datum vorhält, liegt das meist an der Vorgängerregelung. Ein kurzer Satz dazu erspart eine lange Diskussion.
Was bei der Prüfung auf dem Tisch liegt
Der Katalog steht im Paragraphen selbst (geg-info.de); Green Fusion fasst ihn in eigenen Worten zusammen (Quelle). Grob geht es um diese Punkte:
- Einstellung der Anlage: Heizkurve, Vorlauftemperatur, Absenkzeiten, Warmwasserbereitung.
- Heizungspumpe: ob sie zur Anlage passt und effizient eingestellt ist.
- Dämmung von Rohrleitungen und Armaturen.
- Ob ein hydraulischer Abgleich angezeigt ist.
- Welche weiteren Maßnahmen sich zur Effizienzsteigerung anbieten.
§ 60c ist der Nachbarparagraph. Die dena ordnet ihm den hydraulischen Abgleich und weitere Optimierungsmaßnahmen zu. Für die Planung heißt das: Die Prüfung nach § 60b kann einen Folgeauftrag nach sich ziehen, der mehr Zeit braucht als die Prüfung selbst.
Das Gebäudeforum der dena stellt § 60b in eine Reihe mit den Monitoringvorgaben des GEG. Für dich zählt daraus eine praktische Konsequenz: Das Ergebnis der Prüfung sollte so dokumentiert sein, dass der Eigentümer es später vorlegen kann. Welche Form der Nachweis haben soll, steht im Wortlaut.
Modellrechnung: 80 Anlagen bis September 2027
Das folgende Beispiel ist fiktiv. Die Annahmen setzt du durch deine eigenen Zahlen.
Angenommen, dein Betrieb hat 400 Bestandskunden. Nach Filterung auf Mehrparteienhäuser mit mindestens sechs Einheiten bleiben 80 Anlagen, davon 60 mit Einbau vor Oktober 2009. Pro Prüfung inklusive Anfahrt, Einstellung und Protokoll rechnest du mit zwei Stunden.
| Start | Monate bis Ende August 2027 | Stunden gesamt | Stunden pro Monat |
|---|---|---|---|
| November 2026 | 10 | 160 | 16 |
| März 2027 | 6 | 160 | knapp 27 |
| Juni 2027 | 3 | 160 | gut 53 |
September 2027 bleibt in allen drei Varianten als Puffer frei. Die Regel daraus: Wer im November anfängt, braucht zwei Monteurtage im Monat. Wer im Juni anfängt, bindet in jedem Sommermonat mehr als eine volle Monteurwoche — und hat keinen Platz mehr für die hydraulischen Abgleiche, die sich aus den Prüfungen ergeben.
Was du im November und Dezember tun kannst
Die Heizperiode läuft, du bist ohnehin bei vielen Anlagen vor Ort. Das ist die billigste Zeit, um fehlende Daten einzusammeln.
- Kartei filtern. Alle Anlagen in Mehrparteienhäusern herausziehen. Wo die Anzahl der Einheiten fehlt, eine Liste für den Rückruf anlegen.
- Verwalter gebündelt anschreiben. Eine Hausverwaltung mit zehn Objekten beantwortet die Einheiten-Frage in einem Telefonat.
- Einbaudatum am Typenschild aufnehmen. Bei jeder Störung und jeder Wartung in einem Mehrparteienhaus das Datum notieren. Nach zwei Monaten Heizperiode ist ein großer Teil der Lücken geschlossen.
- Anlagen mit Einbau Oktober bis Dezember 2010 zuerst. Nach der Rechnung oben endet ihre Frist genau jetzt.
- Ausnahmen markieren. Wärmepumpen in eine eigene Liste für § 60a, Anlagen mit Gebäudeautomation zur Einzelprüfung.
- Prüfprotokoll festlegen. Eine Vorlage aus den Prüfpunkten des Paragraphen, damit jeder Monteur dasselbe dokumentiert.
Was typischerweise schiefgeht: Das Einbaudatum wird mit dem Baujahr des Gebäudes verwechselt. Ein Haus von 1994 mit einer 2011 getauschten Brennwerttherme gehört nach der Tabelle in eine ganz andere Gruppe als die Hausnummer vermuten lässt. Früh erkennst du das Problem daran, dass in der Kartei viele Anlagen dasselbe Datum wie die Hausübergabe haben.
Servicewecker hält für jede Anlage das Einbaudatum fest und erinnert zur passenden Zeit an Wartung und Prüftermin. Das ersetzt nicht den Blick in den Wortlaut, nimmt dir aber die Wiedervorlage in einer Kartei mit mehreren hundert Anlagen ab. Die Rechtsgrundlagen zu §§ 60a und 60b findest du ausführlicher im Wissensbereich auf servicewecker.de.
FAQ
Wer ist eine fachkundige Person nach § 60b oder § 88 Absatz 1 GEG?
Der Paragraph zählt selbst auf, wer prüfen darf (Wortlaut bei geg-info.de). Genannt sind unter anderem Schornsteinfeger, Betriebe des SHK-Handwerks und Personen, die nach § 88 Abs. 1 Energieausweise ausstellen dürfen. Die vollständige Liste und die Qualifikationsanforderungen liest du im Wortlaut nach, bevor du Mitarbeiter einplanst.
Ist das GEG verpflichtend?
Das GEG ist ein Bundesgesetz. Ob eine bestimmte Vorgabe für ein bestimmtes Gebäude greift, hängt aber von den Merkmalen im jeweiligen Paragraphen ab — bei § 60b etwa Wärmeträger, Anzahl der Einheiten und Einbaudatum (dena). Adressat ist der Eigentümer, nicht der Handwerksbetrieb.
Verlangt § 60b GEG einen hydraulischen Abgleich?
Die Prüfung nach § 60b umfasst nach dem Wortlaut die Frage, ob ein hydraulischer Abgleich angezeigt ist. Den Abgleich selbst und die Fälle, in denen er durchzuführen ist, ordnet die dena § 60c zu. Plane ihn als möglichen Folgeauftrag ein, nicht als Teil der Prüfung.
Gibt es ein Heizungscheck-Formular?
Die Prüfpunkte stehen im Paragraphen; daraus lässt sich ein eigenes Protokoll bauen. Ob deine Innung oder dein Fachverband eine Vorlage anbietet, fragst du dort nach. Wichtiger als das Formular ist, dass alle Monteure dieselben Punkte in derselben Reihenfolge abarbeiten.
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