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Handwerk digitalisieren: Reihenfolge für SHK-Betriebe

· 9 Min. Lesezeit · Kristian Hoffmann

Handwerk digitalisieren ohne Fehlkauf: Modellrechnung für fünf Monteure, Scorecard für die Reihenfolge und Prüfkriterien für die Softwareauswahl.

Wer ein Handwerk digitalisieren will, beginnt nicht bei der Software, sondern bei dem Ablauf, der jede Woche die meisten Minuten im Büro kostet. In einem SHK-Betrieb mit fünf Monteuren sind das in den meisten Fällen die Tagesberichte auf Papier, danach Angebot und Rechnung, danach die Wartungskartei. Erst wenn diese Reihenfolge steht, lohnt der Blick auf Programme. Wer andersherum anfängt, kauft Funktionen für Probleme, die er nicht hat.

Digitalisieren heißt dabei etwas Nüchternes: Ein Vorgang, der heute auf Papier, im Kopf oder in einer Excel-Liste läuft, wird so erfasst, dass ein Programm ihn weiterverarbeiten kann, ohne dass jemand ihn abtippt. Das Portal Handwerk wird digital setzt denselben Maßstab: Wo es Daten oder wiederkehrende Arbeitsabläufe gibt, lässt sich viel digitalisieren. Nicht jedes Tablet auf der Baustelle ist also Digitalisierung. Und nicht jeder Zettel ist ein Problem.

Wo die Zeit im Betrieb wirklich liegt: eine Modellrechnung

Nimm einen fiktiven Betrieb: Inhaber, fünf Monteure, eine Bürokraft, ein Azubi, 400 Anlagen in der Wartungskartei. Jeder Monteur fährt vier Einsätze am Tag und schreibt dazu einen Tagesbericht auf Papier. Die Bürokraft tippt die Zettel ab, damit daraus Rechnungen werden.

Die Annahmen sind Schätzwerte. Setz deine eigenen ein, die Rechnung bleibt dieselbe.

PostenAnnahmeAufwand pro Jahr
Tagesberichte abtippen20 Zettel am Tag × 4 Minuten × 220 Arbeitstagerund 293 Stunden
Rückfragen bei unleserlichen oder lückenhaften Zettelnjeder zehnte Zettel, je 10 Minutenrund 73 Stunden
Summerund 367 Stunden

367 Stunden sind gut neun Wochen Vollzeit bei 40 Wochenstunden. Das ist kein Fleißproblem der Bürokraft. Es ist der Preis dafür, dass dieselbe Information zweimal erfasst wird: einmal vom Monteur mit Kuli, einmal im Büro mit Tastatur.

Dazu kommt, was in keiner Stundenrechnung auftaucht. Das Dichtungsset, das auf dem Zettel fehlt, wird nicht berechnet. Die Anfahrt, die der Monteur vergessen hat, auch nicht. Wie oft das passiert, weiß kaum ein Betrieb, weil es niemand zählt.

Die zweite Lücke: die Wartungskartei

Die Kartei kostet weniger Minuten, aber mehr Geld. Angenommen, bei 400 Anlagen im Jahresrhythmus geht jede zwölfte Fälligkeit unter, weil die Wiedervorlage von Hand läuft. Das sind rund 33 Wartungen im Jahr, die niemand anbietet. Bei angenommenen anderthalb Stunden je Wartung fehlen rund 50 Stunden verrechenbare Arbeit, und zwar planbare Arbeit, die sich in ruhigere Wochen legen ließe.

Keiner dieser Kunden beschwert sich. Einige rufen im nächsten Winter an, wenn die Therme ausfällt. Andere rufen einen anderen Betrieb an.

Welcher Ablauf zuerst digital wird: rechnen statt raten

Für die Reihenfolge reicht eine einfache Scorecard. Multipliziere für jeden Ablauf drei Werte:

  • Häufigkeit: Wie oft pro Woche passiert der Vorgang?
  • Minuten: Wie lange dauert er von Hand?
  • Folgeschaden: 1 = ärgerlich, 2 = kostet Geld, 3 = kostet Kunden.

Für den Modellbetrieb sieht das so aus:

Ablaufpro WocheMinutenFolgeschadenScore
Tagesbericht abtippen10042800
Angebot oder Rechnung schreiben20152600
Wartungsfälligkeit prüfen und Kunden anschreiben8103240
Termin telefonisch abstimmen4051200
Material beim Großhandel bestellen10101100

Die Regel: Fang mit dem höchsten Score an und stell nur einen Ablauf auf einmal um. Liegen zwei Abläufe weniger als 20 Prozent auseinander, nimm den, bei dem weniger Leute ihre Gewohnheit ändern müssen. Die Wartungskartei zum Beispiel betrifft oft nur das Büro, der Tagesbericht alle Monteure.

Schritt 1: Tagesbericht und Zeiterfassung auf dem Handy

Der Monteur erfasst Arbeitszeit, Material, Fotos und die Unterschrift des Kunden direkt vor Ort. Das Büro sieht den Bericht am selben Abend, ohne einen Zettel anzufassen.

Worauf es ankommt:

  • Offline-Betrieb. Im Heizungskeller hat das Handy oft kein Netz. Die App muss dort speichern und später abgleichen.
  • Material per Auswahl, nicht per Freitext. Sonst tippt jeder „Dichtung 1/2“ anders, und die Rechnung wird wieder Handarbeit.
  • Foto vom Typenschild direkt am Auftrag. Das spart beim nächsten Einsatz die Frage, welches Gerät eigentlich verbaut ist.

Der typische Fehler: Die App braucht zwölf Klicks für einen Einsatz. Die Monteure schreiben weiter Zettel und fotografieren ihn am Ende ab. Jetzt gibt es denselben Bericht doppelt. Teste deshalb zwei Wochen lang mit dem skeptischsten Kollegen im Team. Wer nach der zweiten Woche noch Papier benutzt, zeigt dir, dass die App nicht passt, nicht der Monteur.

Schritt 2: Angebot und Rechnung aus denselben Daten

Der Gewinn entsteht erst, wenn die Rechnung aus dem Tagesbericht erzeugt wird und nicht neu geschrieben. Dafür braucht die Software einen sauberen Artikelstamm. Im SHK-Bereich liefert der Großhandel Artikel und Preise meist im Datanorm-Format, dem Austauschformat für Artikeldaten zwischen Großhandel und Handwerk. Lass dir im Testzugang zeigen, dass der Import mit den Daten deines Großhändlers funktioniert, nicht mit einer Beispieldatei.

Zwei Fragen gehören vor die Entscheidung ans Steuerbüro: In welchem Format sollen Belege ankommen? Und welche Anforderungen an elektronische Rechnungen gelten für deinen Betrieb, ab welchem Datum? Die Antwort hängt von deinem Betrieb ab, und das Steuerbüro kennt ihn.

Schritt 3: Wartungskartei mit automatischer Wiedervorlage

Eine digitale Wartungskartei enthält je Anlage: Hersteller, Typ, Baujahr, Intervall, letzten Termin, Vertrag ja oder nein. Aus diesen Feldern rechnet das Programm die nächste Fälligkeit selbst aus. Niemand blättert mehr am Monatsanfang durch Ordner.

Dieselben Daten brauchst du, wenn du Einmalkunden zu Vertragskunden machen willst. Wie der Ablauf dafür aussieht, von der Kundenauswahl bis zur Terminverteilung, steht in Wartungsvertrag verkaufen: Ablauf fürs Handwerk.

Schritt 4: Fotos, Messwerte und Historie an der Anlage

Das Ferdinand-Steinbeis-Institut beschreibt Digitalisierung im Handwerk als digitale Abbildung physischer Objekte, etwa einzelner Maschinen oder ganzer Baustellen. Für einen Heizungsbetrieb ist dieses Objekt die Anlage beim Kunden. Wer vor der Anfahrt die Abgaswerte vom letzten Jahr, drei Fotos vom Heizraum und die Notiz „Zugang über Garage, Schlüssel beim Nachbarn“ sieht, fährt besser vorbereitet los.

Das verbreitete Gegenmodell ist die Messenger-Gruppe. Fotos landen auf privaten Handys, niemand findet sie nach einem Jahr wieder, und wenn ein Monteur kündigt, geht die Historie mit. Frag bei jedem Anbieter, wo die Daten gespeichert werden und ob er einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung anbietet. Was du rechtlich brauchst, klärst du mit deinem Datenschutzberater. Diese Fragen ersetzen keine Rechtsberatung.

November und Dezember: was jetzt geht und was bis zum Frühjahr wartet

In der Heizperiode steigen die Störungseinsätze. Das ist die falsche Zeit, um fünf Monteuren eine neue App aufzuzwingen. Wer im Dezember um 19 Uhr aus dem dritten Notdienst kommt, lernt keine neue Oberfläche.

Die Wochen bis zum Jahresende eignen sich trotzdem, nur für die Arbeit im Büro:

  1. Kartei bereinigen. Dubletten zusammenführen, verzogene Kunden markieren, fehlende Baujahre nachfragen, wenn der Kunde ohnehin anruft.
  2. Artikelstamm aufräumen. Welche Artikel verbaut ihr tatsächlich? Oft ist es ein Bruchteil des Großhandelskatalogs.
  3. Rechnungsprogramm entscheiden. Wenn ein Wechsel ansteht, liegt der 1. Januar als Stichtag nahe. Dann steht ein Geschäftsjahr vollständig in einem System, und das Steuerbüro muss keine zwei Quellen zusammensetzen.
  4. Zwischen den Jahren testen. Mit Testzugang und echten Daten aus der Kartei, nicht mit Beispielkunden.
  5. Förderung prüfen, bevor du bestellst. Förderprogramme für Digitalisierung wechseln. Frag bei deiner Handwerkskammer nach, was aktuell läuft, und ob der Antrag vor der Bestellung gestellt sein muss.

Die Handy-App für die Monteure folgt, wenn die Störungsspitze abflaut. In vielen Betrieben ist das irgendwann im Frühjahr, bevor die Wartungssaison anläuft.

Woran Digitalisierungsprojekte im Handwerk scheitern

Die meisten Projekte scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an drei Mustern, die sich früh erkennen lassen.

Drei Programme, dreimal dieselbe Adresse

Ein Programm für Rechnungen, eine App für Zeiten, eine Excel-Liste für Wartungen. Zieht ein Kunde um, ändert jemand die Adresse an einer Stelle und vergisst die anderen beiden. Das Warnsignal: Im Büro fällt der Satz „Das steht im anderen Programm“. Die Regel: Ein zusätzliches Werkzeug kommt nur dazu, wenn es Kundendaten sauber importiert und exportiert.

Nur der Chef kann es

Der Inhaber hat die Software ausgesucht, eingerichtet und als Einziger verstanden. Ist er krank oder auf der Baustelle, steht das Büro. Die Bürokraft gehört deshalb in die Auswahl, nicht erst in die Schulung. Sie arbeitet täglich damit.

Die Ausstiegsfrage wurde nicht gestellt

Vor der Unterschrift klärst du: Kann ich alle Kunden, Anlagen und Belege als CSV-Datei exportieren, und zwar selbst, ohne Anfrage beim Support? Wie lang ist die Mindestlaufzeit? Ein Anbieter, der beim Export ausweicht, macht den nächsten Wechsel teuer. Diese Frage kostet fünf Minuten im Testzugang.

Software auswählen: Prüfkriterien statt Rangliste

Eine allgemeingültige Rangliste für Handwerkersoftware gibt es nicht. Ein Betrieb mit zwei Monteuren und ein Betrieb mit zwölf brauchen Verschiedenes. Prüf stattdessen, ob ein Programm deine Abläufe abdeckt:

KriteriumSo prüfst du esWarnsignal
Offline-BetriebHandy im Flugmodus, Einsatz erfassen, danach abgleichen„Dafür brauchen Sie Netz“
DatenexportCSV-Export aller Kunden und Anlagen im Testzugang selbst auslösenExport nur auf Anfrage oder gegen Gebühr
GroßhandelsdatenDatanorm-Datei deines Großhändlers importierenArtikel müssen von Hand angelegt werden
SteuerbüroBeispielexport ans Steuerbüro schicken und Rückmeldung abwartenSteuerbüro kann das Format nicht lesen
Kosten bei WachstumPreis für sieben statt drei Nutzer auf der Preisseite des Anbieters nachrechnenPreis nur auf Anfrage
LaufzeitKündigungsfrist und Mindestlaufzeit in den AGB lesenlange Mindestlaufzeit ohne Testphase

Nutzt du schon eine Bürosoftware, prüfst du zuerst deren Module, bevor ein zweites System dazukommt. Ein Spezialwerkzeug lohnt sich dort, wo das Modul der Bürosoftware eine Lücke lässt und das Werkzeug die Daten sauber austauscht.

Eine solche Lücke ist oft die Wiedervorlage der Wartungen. Dafür gibt es Servicewecker: Es erinnert deine Bestandskunden automatisch an die nächste Wartung, und die Anfragen landen direkt im Posteingang des Betriebs. Es ersetzt keine Bürosoftware und keine Monteurs-App, sondern deckt genau den dritten Schritt der Scorecard ab.

FAQ

Welche kostenlose Software für Handwerker gibt es?

Viele Anbieter haben Testzugänge oder abgespeckte Gratistarife, deren Umfang sich ändert. Prüf deshalb die aktuelle Preisseite des Anbieters, bevor du planst. Wirklich ohne Zusatzkosten ist meist nur, was du schon hast: Tabellenkalkulation und Kalender. Für eine Kartei mit wenigen Dutzend Anlagen reicht das, bei einigen Hundert wird die Wiedervorlage zur Handarbeit.

Welche Beispiele gibt es für die Digitalisierung im Handwerk?

Im SHK-Betrieb sind es vor allem fünf Abläufe: Tagesbericht per App mit Fotos und Kundenunterschrift, Rechnung direkt aus dem Bericht, Wartungskartei mit automatischer Fälligkeit, Artikeldaten per Datanorm vom Großhandel und Belegexport ans Steuerbüro. Welcher davon zuerst kommt, zeigt die Scorecard aus Häufigkeit, Minuten und Folgeschaden.

Welche Handwerker-Software ist die beste?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, weil Betriebsgröße, Gewerk und vorhandene Programme den Ausschlag geben. Sinnvoller ist die Frage, welche Software deinen Ablauf mit dem höchsten Score abdeckt und die Prüfkriterien aus der Tabelle besteht. Offline-Betrieb und freier Datenexport sind dabei die zwei Punkte, an denen Kandidaten am häufigsten durchfallen.

Welche App ist die beste für Handwerker?

Entscheidend ist, ob deine Monteure sie nach zwei Wochen noch freiwillig benutzen. Teste im Heizungskeller ohne Netz und zähl die Klicks für einen normalen Wartungseinsatz. Eine App, die parallel wieder Zettel erzeugt, kostet mehr Zeit, als sie spart.